Unterschätztes Multitalent
Die Schilddrüse produziert lebenswichtige Hormone und reguliert damit unser gesamtes Wohlbefinden. Die Ernährung kann bei der Vorbeugung von Funktionsstörungen eine wichtige Rolle spielen, sagt Professor Dr. Hans Udo Zieren, Gründer des Deutschen Schilddrüsenzentrums.
Sie ist nicht größer als ein Daumen, wiegt nur 18 bis 25 Gramm – und beeinflusst dennoch unser Leben mehr als viele andere Organe: die Schilddrüse. „Sie wird von vielen unterschätzt“, sagt Professor Dr. Hans Udo Zieren, Gründer des Deutschen Schilddrüsenzentrums und Chefarzt Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie im Sana-Krankenhaus Hürth. „Dabei produziert die kleine Drüse am Hals lebenswichtige Hormone, die unser gesamtes körperliches und psychisches Wohlbefinden regulieren.“

„Die Schilddrüse wird von vielen unterschätzt. Dabei produziert die kleine Drüse am Hals lebenswichtige Hormone, die unser gesamtes körperliches und psychisches Wohlbefinden regulieren.“
Prof. Dr. med. Hans Udo Zieren, Gründer des Deutschen Schilddrüsenzentrums und Chefarzt Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie im Sana-Krankenhaus Hürth
Foto: Sana AG
Die Schilddrüse steuert viele wichtige Körperfunktionen
In ihrer Form einem Schmetterling ähnlich, ist die Schilddrüse eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden, das alle Vorgänge im Körper regelt, die wir nicht durch eigenes Zutun beeinflussen können. Über die Abgabe von Hormonen ins Blut interagiert die Schilddrüse mit fast allen Organen und Drüsen und steuert so zahlreiche Körperfunktionen. Die beiden wichtigsten Hormone, Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), wirken unter anderem auf Herzaktivität, Blutdruck und Stoffwechsel, Körpergewicht, Muskelkraft und Gehirnaktivität, Insulinproduktion, Verdauung und Darmtätigkeit. Sie verfügen über Jod, den Grundstoff für die Produktion von Schilddrüsenhormonen, den der Körper nicht selbst herstellen kann. Darüber hinaus bildet die Schilddrüse den Botenstoff Calcitonin, der zum Beispiel den Kalzium- und Knochenstoffwechsel beeinflusst.
Frauen häufiger betroffen
In den Blickpunkt gerät die Schilddrüse meist erst, wenn es zu krankhaften Veränderungen kommt. In Deutschland ist das bei circa jedem dritten Erwachsenen der Fall1. Am häufigsten betroffen sind Frauen – wegen der Östrogenproduktion hauptsächlich zwischen der ersten Menstruation und der Menopause. Aber auch mit zunehmendem Alter steigt das Erkrankungsrisiko.
Vielfältige Symptome
Am meisten verbreitet ist die Schilddrüsenvergrößerung, gefolgt von Schilddrüsenunter- oder -überfunktion. Die vielfältigen physischen und auch psychischen Symptome reichen von Schluckbeschwerden über Antriebsmangel bis hin zu Herzrasen. Für eine erste Diagnose stellt der Hausarzt gezielte Fragen und tastet den Hals ab. „Zu den weiteren Basisuntersuchungen gehören eine Blutanalyse und ein Ultraschall des Halses“, sagt Professor Zieren und rät, auch bei untypischen Symptomen wie beispielsweise Haarausfall oder Müdigkeit, Osteoporose, Aggressivität oder Demenz an die Schilddrüse zu denken.
Fachärzte für spezielle Therapien
Gründe für Schilddrüsenerkrankungen können genetischer Natur sein, aber auch chronischer Jodmangel. Liegt eine Störung der Schilddrüse vor, kann der Hausarzt eine Basistherapie mit Tablettengabe und Verlaufskontrolle einleiten. Besteht Verdacht auf eine Überfunktion, kann ein Nuklearmediziner zur Klärung ein Schilddrüsenszintigramm erstellen. Auf dessen Grundlage wird entschieden, ob weitere Fachärzte wie Endokrinologen oder Chirurgen hinzugezogen werden, um zum Beispiel eine Therapie mit radioaktivem Jod oder eine OP durchzuführen. Die gute Nachricht: Die meisten Erkrankungen lassen sich laut Professor Zieren gut und erfolgreich behandeln. Sogar bei Schilddrüsenkrebs bestünden gute Heilungschancen.
Jodmangel mit Ernährung entgegenwirken
Doch was tun, damit es erst gar nicht so weit kommt? Als mögliche Präventionsmaßnahme bezeichnet Professor Zieren neben den allgemein bekannten Gesundheitsempfehlungen eine jodreiche Ernährung: „Denn Experten gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel, wenn nicht gar die Hälfte der deutschen Bevölkerung nicht optimal mit Jod versorgt ist.“ Ein erster Ansatz kann die sogenannte mediterrane Ernährung mit wenig rotem Fleisch und Fett, aber viel Fisch, Gemüse, Obst und Olivenöl sein. Also: Essen wie im Mittelmeerurlaub und dabei die Schilddrüse unterstützen? Klingt machbar!
Hinweis für Stomaträger: Sprechen Sie zu Anpassungen Ihrer Ernährung immer mit Ihrem Arzt oder Ihrem Stomatherapeuten.
Die schmetterlingsförmige Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfs.
Bild: Pixabay/Mohamed Hassan
Ein möglicher erster Schritt bei Schilddrüsenerkrankungen ist die mediterrane Ernährung: Sie setzt auf wenig rotes Fleisch und Fett, dafür auf viel Fisch, frisches Gemüse, Obst und hochwertiges Olivenöl.
Bild: Coloplast
Erscheinungszeitpunkt: März 2026
Redaktion: mk Medienmanufaktur GmbH