Wie die Natur uns glücklich und gesund macht
Der Aufenthalt im Grünen kann viele gesundheitliche Effekte auslösen – körperlich wie psychisch. Prof. Dr. Daniela Haluza von der Medizinischen Universität Wien zu den besonderen Heilkräften des Waldes und warum sie in der Natur unter anderem eine der wirksamsten Präventionsmaßnahmen sieht.
Wenn es um die Heilkraft der Natur geht, ist Daniela Haluza in ihrem Element. „Wer in den Wald hineingeht, kommt meist gesünder wieder heraus“, sagt die assoziierte Professorin für Public Health und Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Umweltmedizin und Nachhaltigkeitswissenschaften. Darüber hinaus hat sie ein Basiswerk zur Waldtherapie veröffentlicht, das sich an medizinisches Fachpersonal und Therapeuten richtet. Denn den regelmäßigen Kontakt mit der Natur bezeichnet die Expertin als „eine der einfachsten und wirksamsten Präventionsmaßnahmen, die wir haben“.

„Entscheidend ist weniger die perfekte Natur, sondern die regelmäßige und bewusste Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten.“
Dr. Daniela Haluza, MSc, ist assoziierte Professorin für Public Health und Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Umweltmedizin und Nachhaltigkeitswissenschaften.
Bild: Luiza Puiu
Nachgewiesene Stressreduktion
Eine Studie, an der Prof. Dr. Haluza federführend mitgewirkt hat, unterstützt den internationalen Stand der Forschung: Schon etwa 20 Minuten im Wald können messbar zur Stressreduktion1 beitragen. Stresshormone wie das Cortisol sinken, Herzfrequenz und Blutdruck werden reguliert, das vegetative Nervensystem kommt ins Gleichgewicht. Konzentrationsfähigkeit und Schlafqualität können sich verbessern, und es werden positive Effekte auf die Immunfunktion beobachtet. Laut Haluza profitiert sogar die psychische Gesundheit von der Stressreduktion bei einem Spaziergang: „Naturkontakt stabilisiert die Stimmung, kann Symptome von Angst und Depression reduzieren und fördert die mentale Erholung.“
Die Natur kann Therapien ergänzen
Die positiven Effekte der Natur auf die Psyche belegte beispielsweise auch eine Studie2 des Londoner King’s College, an der unter anderem Personen mit diagnostizierten psychischen Erkrankungen teilnahmen. Die Forscher beobachteten außerdem: Verantwortlich für ihr Wohlbefinden war eine Mischung aus Grünräumen wie Wiesen, Wald und Pflanzen, Blauräumen (Flüsse, Kanäle und Teiche) sowie Wildtieren. Zwar ersetzen naturbasierte Interventionen keine medizinische Behandlung, können Therapien jedoch sinnvoll ergänzen, erläutert Haluza. So gebe es gute Evidenz für positive Effekte bei Depressionen, Angststörungen und stressassoziierten Erkrankungen wie Burnout. „Auch in der kardiologischen Prävention, bei chronischen Schmerzen sowie in der onkologischen Rehabilitation wird Naturkontakt unterstützend eingesetzt.“
Japan: Waldbaden als Wissenschaft
Eine wachsende Bedeutung kommt dabei dem sogenannten Waldbaden zu, in Japan seit den 80er-Jahren als „Shinrin Yoku“ (sinngemäß: bewusst in die Waldatmosphäre eintauchen) eine anerkannte Methode zur Stressbewältigung. Dass die Wirkung des „Shinrin Yoku“ zur Wissenschaft erhoben wurde, ist insbesondere dem Immunbiologen Professor Dr. Qing Li von der Nippon Medical School zu verdanken, der als Begründer der Forschungsrichtung „Forest Medicine“ gilt. Er stellte in einer Studie3 mit Waldspaziergängern eine deutliche Erhöhung des Hormons DHEA (Dehydloepiandrosteron) im Blut fest, das unter anderem den Cortisolspiegel reguliert. Außerdem waren die natürlichen Killerzellen der Probanden um 40 Prozent gestiegen.
Waldbaden wird weltweit als gesundheitsfördernde Praxis durchgeführt.
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„Jeder Aufenthalt in der Natur ist besser als keiner“, sagt Prof. Dr. Daniela Haluza. Besondere Heilkräfte kommen dem Wald zu.
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Ganzheitliche Erfahrung
Im Vordergrund der Waldtherapie steht das bewusste Wahrnehmen mit allen Sinnen. So reagiert unser Gehirn auf das Zusammenspiel von Farben, Klängen, Düften, Licht und haptischen Reizen. Die ganzheitliche Erfahrung führt dazu, dass das Nervensystem von der Reizüberflutung und Anspannung umschaltet auf Regulation und Erholung.
Zwar bietet der Wald eine einzigartige Kombination aus Ruhe, gemäßigtem Mikroklima, optischen Eindrücken und Duftstoffen. Dennoch haben auch kleine Naturinseln wie Parks, Baumalleen oder Gewässer eine Wirkung, wie die erwähnte Studie aus Großbritannien unterstreicht. „Aus umweltmedizinischer Sicht ist ganz klar: Natur ist eine medizinisch relevante Ressource, und jeder Aufenthalt im Freien ist besser als keiner. Auch ein sitzender oder ruhender Naturkontakt zeigt positive Effekte“, sagt Haluza, weist allerdings auch auf die Vorteile regelmäßiger körperlicher Aktivität für das allgemeine Wohlbefinden hin.
Naturaufenthalt als Selfcare
Keine Frage, dass Daniela Haluza persönlich versucht, jeden Tag ins Freie zu gehen, mehrmals die Woche auch länger. Für sie ein ganz selbstverständlicher Teil des Alltags „und eine der einfachsten und wirksamsten Formen von Selfcare“.
Auch ein Spaziergang im Park oder entlang eines Gewässers kann spürbar auf Körper und Psyche wirken.
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Jeder Schritt auf dem Waldboden erdet – mit Schuhen, aber noch besser barfuß.
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Erscheinungszeitpunkt: Mai 2026
Redaktion: mk Medienmanufaktur GmbH