„Rechtzeitig ans Trinken denken“

Dehydratation

Über die Hälfte unseres Körpers besteht aus Wasser. Damit werden wichtige Funktionen aufrechterhalten. Geraten Flüssigkeitszufuhr und -verlust aus dem Gleichgewicht, kann es zur Dehydratation kommen – gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden. Welche Folgen das unter anderem für Menschen mit einem Entero-Stoma und Inkontinenz haben kann, erklärt Jeannette Obereisenbuchner von den Neurokliniken Beelitz.

 

Es reguliert die Körpertemperatur, fungiert als Transport- und Lösungsmittel für Nähr- und Botenstoffe, beseitigt Abfallprodukte und schmiert sogar die Gelenke: Wasser. Je nach Alter und Physiologie macht es bis zu 65 Prozent unseres Körpergewichts aus. Doch wie erkennen wir, ob unser Wasserhaushalt im Gleichgewicht ist?

„Durst ist ein klares Signal unseres Körpers, dass ein Flüssigkeitsmangel vorliegt“, sagt Jeannette Obereisenbuchner, Diätassistentin und medizinische Ernährungsberaterin bei den Neurokliniken Beelitz. Ein Signal, das wir ernst nehmen sollten, denn es weist auf trockene Schleimhäute hin, die Vorstufe einer Dehydratation (umgangssprachlich auch Dehydration genannt). Gesunde und vor allem junge Menschen können einem Flüssigkeitsverlust durch ausreichendes Trinken vorbeugen und sind selten von einer Dehydratation betroffen. Das Problem ist: Mit zunehmendem Alter sinken das Durstgefühl und der Wassergehalt im Körper, die Gefahr eines markanten Flüssigkeitsverlusts wächst. Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder bestimmte Medikamente können das Durstempfinden zusätzlich beeinträchtigen. Weitere Gründe für eine Dehydratation sind beispielsweise Erbrechen oder Durchfall, Fieber, hohe Temperaturen, schweißtreibende Aktivitäten oder die Einnahme von Entwässerungstabletten. Darüber hinaus können Inkontinenz oder ein Stoma je nach individueller Situation zu einem erhöhten Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten (gelösten Mineralstoffen) führen.

„Der sogenannte Hautfaltentest ist ein schnelles und probates Mittel, um einen Flüssigkeitsmangel festzustellen. Dafür ein Stück Haut zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen. Bei guter Flüssigkeitsversorgung sollte sich die Haut beim Loslassen schnell wieder zurückbilden.“

Jeannette Obereisenbuchner ist Diätassistentin, medizinische Ernährungsberaterin, Diabetesberaterin DDG (Deutsche Diabetesgesellschaft) und Expertin für neurogene Darmfunktionsstörungen bei den Neurokliniken Beelitz.

Bild: Neurokliniken Beelitz  

Erste Anzeichen erkennen

Es ist wichtig, eine Dehydratation rechtzeitig zu erkennen, um den Ernstfall, eine Exsikkose (massive Austrocknung), zu verhindern. Doch die ersten Anzeichen sind unspezifisch und werden oft übersehen. „Sie reichen von Müdigkeit, Kopfschmerzen und Teilnahmslosigkeit über Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsschwierigkeiten bis zu physischen oder kognitiven Belastungsreaktionen“, fasst Obereisenbuchner zusammen. „Manche fühlen sich einfach nur schlapp.“

 

1,5 Liter sind das Minimum

Kündigt sich eine Dehydratation an, heißt es: trinken. Nur wenn Patienten mit einer Exsikkose selbst nicht mehr dazu in der Lage sind, wird eine Infusion gelegt. Besser ist es natürlich, einen Flüssigkeitsmangel von vornherein zu verhindern. Die allgemein empfohlene tägliche Trinkmenge für gesunde Menschen liegt bei eineinhalb bis zwei Litern, kann individuell jedoch abweichen, zum Beispiel bei Herzerkrankungen. Auch Menschen mit einem Entero-Stoma und Inkontinenz sollten die empfohlene Flüssigkeitszufuhr immer mit dem behandelnden Arzt abklären.

Lunge, Haut, Nieren und Darm scheiden Flüssigkeit aus

Dabei gibt Jeannette Obereisenbuchner folgendes zu bedenken: „Dass ein Getränk eins zu eins in der Blase landet, ist ein Trugschluss.“ Sie weist auf die vier Ausscheidungsorgane hin: Nieren (in denen eine Vorstufe des Urins gebildet wird), Lungen (Atmung), Haut (auch ohne Schwitzen) und Darm. Insgesamt können über diese Wege am Tag gut zweieinhalb Liter zusammenkommen, bei Aktivität sogar bis zu vier Liter. Die empfohlene Trinkmenge liegt also deutlich unter der Flüssigkeitsmenge, die wir ausscheiden. Gesunden, aktiven Menschen rät die Ernährungsberaterin daher, je nach Situation mehr zu trinken.

Mineralwasser, Tee & Co.

Der perfekte Flüssigkeitslieferant ist Mineralwasser, da es in geeigneter Zusammensetzung von Mineralstoffen und Wasser, den Flügssigkeitsverlust ausgleichen kann. Eine gute Ergänzung dazu sind Fruchtschorlen und Tee, um auf insgesamt 1,5 bis 2 Liter Trinkmenge zu kommen. Da der Gesamtflüssigkeitsbedarf höher als 1,5 Liter liegt, sind verschiedene Lebensmittel die zweite Flüssigkeitsquelle. So kann allein die empfolenen 5 Portionen (jeweils eine Handvoll) frisches Gemüse oder Obst bis zu einem halben Liter Flüssigkeit enthalten.

 

 

Bei schweißtreibenden Aktivitäten: Apfelsaftschorle

Liegt bereits eine Dehydratation vor, reicht eine reine Wasserzufuhr allerdings nicht aus. Der Grund: Sämtliche Körperflüssigkeiten sind salzhaltig, wir scheiden also immer Elektrolyte aus. „Um Kreislaufkomplikationen vorzubeugen, ist es dann wichtig, mit isotonischen Getränken wie Apfelsaftschorle gegenzusteuern“, so Obereisenbuchner. Isotonische Getränke können auch vorbeugend für Ausgleich und Kreislaufstabilität sorgen und die Leistungsfähigkeit erhalten, wenn schweißtreibende Aktivitäten oder große Hitze anstehen. Der vermeintlich erfrischende alkoholhaltige „Schoppen“ ist als Flüssigkeitszufuhr übrigens ungeeignet, denn Alkohol scheidet Elektrolyte aus, wie die Diätassistentin warnt: „Der Kater am Tag danach ist ein Zeichen der Dehydratation.“

Dehydratation: die häufigsten Symptome

Eine leichte bis mittlere Dehydratation erkennt man unter anderem an folgenden Symptomen:

  • Durst
  • verringertes Schwitzen
  • verminderte Hautelastizität
  • verringerte Urinproduktion/dunkle Färbung
  • Mundtrockenheit, pelzige Zunge
  • verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
  • Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen
  • Abgeschlagenheit, rasche Ermüdung

Anzeichen einer starken Dehydratation sind unter anderem:

  • trockene Schleimhäute
  • reduziertes Durstgefühl
  • Abfall des Blutdrucks
  • Schwindel oder Ohnmacht
  • Muskelkrämpfe
  • Teilnahmslosigkeit oder Verwirrtheit

Bei einem schweren Flüssigkeitsmangel kann es zu einem hypovolämischen Schock kommen. Mögliche Symptome sind:

  • Hände und Füße fühlen sich kalt an
  • Unruhe, Schüttelfrost, Schweißausbrüche
  • Angst, Apathie oder Bewusstlosigkeit


Quellen:
MSD Manual, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

 

Inkontinenz oder Stoma: gut zu wissen

Warum gerade Menschen mit Inkontinenz und eine Entero-Stoma ausreichend trinken sollten.

 

Inkontinenz

  • Der Harndrang reicht zur Beurteilung der Flüssigkeitsversorgung nicht aus. Treten beim Schwitzen Kopfschmerzen auf oder kommt es gar zur Desorientierung, ist Trinken dringend angesagt.
  • Bei zu wenig Flüssigkeitszufuhr erhöht sich der Salzgehalt im Urin. Dadurch werden Blase und Schleimhäute gereizt, was spontan eine „überfallartige“ Inkontinenz auslösen kann.
  • Es ist wichtig, die gemeinsam mit dem Arzt festgelegte Flüssigkeitszufuhr einzuhalten. Denn eine geringere Trinkmenge führt keinesfalls zu weniger Harnbildung bzw. Katheterisieren, was viele Patienten irrtümlicherweise annehmen.

 

Stoma

  • Der Dickdarm (Kolon) benötigt viel Wasser, um Verstopfungen durch einen zähen Stuhl – auch im Stomabeutel – zu verhindern. Eine Faustregel: Liegt das Stoma auf der rechten Körperseite, steigt das Dehydratationsrisiko, da die Eindickung des Stuhls auf der linken Seite stattfindet.
  • Hohe Anteile an Ballaststoffen ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr können Verstopfungen im Darm fördern, da sie als Quellstoffe fungieren. Sie müssen also immer mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden.
  • Patienten mit Ileostoma sollten besonders auf Zufuhr von Mineralwasser oder isotonischen Getränken achten, da Flüssigkeit vom Dünndarm in den Dickdarm geleitet wird, die Hauptresorptionsfläche für Flüssigkeit. Je mehr Dünndarm fehlt, desto höher das Risiko eines hohen Flüssigkeits- und Elektrolyteverlusts und einer Dehydratation. Experten sprechen auch von einem High-Output-Stoma-Syndrom, wenn der Flüssigkeitsverlust über das Stoma mehr als einen Liter beträgt.

 

Empfohlen ist die genaue Abklärung der täglichen Trinkmenge mit dem Arzt oder der Stomafachkraft. Auch eine Ernährungstherapie ist erforderlich.

3 Expertentipps fürs Flüssigkeitsmanagement

Gesunde Menschen sollten 1,5 bis zwei Liter am Tag trinken, um eine Dehydratation zu vermeiden. Je nach Rahmenbedingungen oder Erkrankungen können diese Werte abweichen und sollten mit dem Arzt abgeklärt werden. Drei Tipps von Ernährungsberaterin Jeannette Obereisenbuchner, wie die ausreichende Flüssigkeitszufuhr gelingt:

  • Die empfohlene Tagestrinkmenge morgens gut sichtbar in Gefäßen bereitstellen oder im mobilen Alltag mitnehmen.
  • Regelmäßig über den Tag verteilt trinken, bei Blaseninkontinenz jedoch möglichst nicht mehr zu viel am späten Abend. Zur Erinnerung einen Wecker stellen.
  • Hauptlieferanten sollten Mineralwasser (zum Beispiel mit Zitrone, Ingwer oder frischer Minze), isotonische Getränke, ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees sein, aber auch drei Tassen Kaffee oder schwarzer Tee am Tag sind ergänzend in Ordnung. Bei hohem Elektrolyteverlust zu salziger Brühe oder isotonischen Getränken wie Apfelsaftschorle greifen.

Auch für Menschen mit einem Entero-Stoma und Inkontinenz sind Mineralwasser oder isotonische Getränke die besten Flüssigkeitslieferanten, um einer Dehydratation vorzubeugen, zum Beispiel aufgepeppt mit frischem Obst.

Bild: Pixabay/AS_Photography

Getrunken werden sollte regelmäßig über den Tag verteilt. Tipp: Zur Erinnerung eine Uhr, zum Beispiel über das Mobiltelefon, stellen.

Bild: Coloplast

Auch über die Nahrung, beispielsweise über frisches Gemüse oder Obst, wird Flüssigkeit aufgenommen.

Bild: Coloplast

Erscheinungszeitpunkt: August 2026
Redaktion: mk Medienmanufaktur GmbH